Logopädie in der Phase F
Komplikationen:
Fremdkörpergefühl, Borkenbildung an der Luftröhre, Bildung von überschüssigem Gewebe an der Stomaöffnung und Luftröhre, Blutungen, Entzündungen, Reizungen, nasses Tracheostoma, starke Schleim- und Sekretbildung.
Ein gutes Trachealkanülenmanagement entscheidet darüber, ob lebensbedrohliche Keimverschleppung bis hin zu Lungenentzündungen reduziert werden können.
Logopäden können somit im Rahmen eines individuellen, patientengerechten Trachealkanülenmanagements auf eine adäquate therapeutische Versorgung einwirken und Pflegekräften, Angehörigen und Ärzten beratend zur Seite stehen.
Folgend lesen Sie Notwendigkeiten, die sich aus meiner Arbeit mit den vielfältigen Erfahrungen und meinem Fachwissen ergeben haben.
Hinsichtlich des Kanülenmodells und den entsprechenden Hilfsmitteln bedarf es der Kraft aller im Team arbeitenden Menschen, dass diese sensibel beobachten, sich interdisziplinär austauschen und dementsprechend handeln. Das richtige Kanülenmodell zu finden bedeutet auf die Suche zu gehen, denn in den seltensten Fällen ist das in der Akutphase gelegte Kanülenmodell langfristig noch patientengerecht. Eine individuell ausgewählte Kanüle erfüllt Kriterien wie guten Tragekomfort, ausreichenden Gasaustausch, Schutz vor Aspiration durch eine Blockung und entscheidet maßgeblich über Reduzierung von Reizungen an der Luftröhre und/oder der Stomaöffnung, sowie über das Sekretaufkommen. Viele Menschen im Wachkoma tragen eine geblockte Kanüle, die meistens einen wöchentlichen Wechsel notwendig macht (bei starkem Sekretaufkommen ggf. häufiger). Zwischen den Wechseln ist jedoch das regelmäßige Entfernen des Sekretaufstaus oberhalb der Blockung wichtig, damit diese Keimherde nicht zu Folgeerkrankungen führen. Im Pflege-/Therapeutenteam muss dieses Management zeitlich abgestimmt werden. Die Liegedauer einer Kanüle von nicht selten 28 Tagen ist unverantwortlich, weil das Keimaufkommen ein großes Maß erreicht und ebenfalls Folgen wie Infektionen und Lungenentzündungen begünstigt. Tragen Menschen geblockte Kanülen, macht das Reinigen und Desinfizieren keinen Sinn, weil die Blockung porös wird und somit der Schutz der unteren Atemwege vor Aspiration durch Sekret und Speichel nicht mehr gewährleistet ist. Folglich sind geblockte Trachealkanülen Einmalartikel!
Diese Tatsache gilt es gegenüber Kostenträgern immer wieder deutlich zu machen, z. B. durch fachliche Darstellung mithilfe eines Berichtes des behandelnden Logopäden.
Des weiteren wird die Auswahl an Hilfsmitteln rund um die Trachealkanüle mit darüber entscheiden, ob Folgeerkrankungen vermieden werden können. Das gilt besonders für die Beobachtung der Stomaöffnung und der Umgebungshaut. Zur Pflege haben sich hier besonders Schaumstoff-Kompressen (im Gegensatz zu Metallinen-Kompressen) bewährt, die nicht mit der Haut verkleben, viel Sekret aufnehmen und Schäden an der Haut verhindern. Denn Ziel ist ein möglichst trockenes und reizloses Stoma. Dem Absaugen mit schleimhautschonenden, a-traumatischen Kathetern kommt im Rahmen der Hilfsmittelversorgung eine ebenso wichtige Rolle zu wie das Verwenden eines Cuffdruckmessers zum Blocken einer Trachealkanüle. Vielfach werden hierfür leider immer noch Spritzen verwendet.
Feuchte Nasen mit Schaumstoff übernehmen das Filtern, Erwärmen und Anfeuchten der Atemluft besser als die herkömmlichen mit Papiereinsatz. Das Verwenden von dick gepolsterten Haltebändern minimiert die Gefahr des Abschnürens von Blutgefäßen im Hals-Nacken-Bereich. Es wird also deutlich, wie wichtig das fortlaufende Optimieren des Trachealkanülenmanagements ist, eine Logopädin kann hierbei beratend zur Seite stehen.
In der logopädischen Therapie bei tracheotomierten Menschen kommen des weiteren Übungen zur Verbesserung der Motorik und Sensibilität im facio-oralen Bereich, sowie für den Rachen und Kehlkopf zum Tragen. Für manche Wachkomapatienten wird das Training mit einem Sprechventil möglich sein, das durch Atemtherapie begleitet wird.
Durch ein Sprechventil kann die Ausatemluft den Kehlkopf-, Rachen-, Mund- und Nasentrakt passieren, die Abschnitte gut belüften und eventuell eine Stimmbildung ermöglichen.
Abschließende Gedanken:
Die Ausführungen der beschriebenen Arbeitsschwerpunkte der Logopädie in der Phase F ergänzen sich durch die individuelle, fachliche Weiterqualifikation der jeweiligen Therapeutin. Mit Basaler Stimulation, Kinästhetik, Bobath, Intensivtherapeutischem Führen, Aromatherapie etc. sind hier nur einige Konzepte genannt, die im Rahmen der logopädischen Behandlung Anwendung finden. Auch die Therapiedisziplin Logopädie ist ein auf Langfristigkeit ausgelegtes Heilmittel, welches erheblich zur Lebensqualität, Funktionserhaltung des Atem- und Schlucktraktes und zur Reduzierung Folgeerkrankungen bei Menschen im Wachkoma beiträgt.